ECHTE HIGHLIGHTS!
DIE TRAUMHOCHZEIT ERLEBEN

Mitfeiern in 3D – im Dresdner Zwinger

Die Traumhochzeit kehrt nach 300 Jahren in den Dresdner Zwinger zurück. Mit atemberaubenden Einblicken in ein Spektakel, dass seines Gleichen suchte.

August der Starke auf einem Feuerpferd. Was die staunenden Gäste der Hochzeit des sächsischen Kurprinzen und der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha im Jahr 1719 im Dresdner Zwinger erleben konnten, das können ab 28. Juni Besucher im Zwinger noch einmal zu sehen bekommen. Farbenfroh und in bewegten Bildern. In einer 270-Grad-Projektion mitten im Zwinger nämlich. Christian Striefler, Chef der Schlösserland Sachsen gGmbH erklärt das spektakuläre Projekt ZwingerXperience:

 

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Herr Striefler, eine Zeitreise in 3D zu einer Hochzeit, die vor 300 Jahren hier stattgefunden hat. Was ist die Idee dahinter?

Jedes Jahr strömen rund fünf Millionen Touristen in den Dresdner Zwinger. Sie schauen sich um, es gibt Touristenführer, die erzählen, wofür dieses Dresdner Wahrzeichen eigentlich gebaut worden war. Als Kulisse für die Hochzeit des Jahrhunderts nämlich. Aber wie sah das aus? Was haben sich August der Starke und Architekt Pöppelmann gedacht? Das quasi live nachzuerleben, macht nicht nur Geschichte lebendig, sondern auch fassbarer. Und wir erreichen auch junge Leute viel besser damit.

 

Was passiert hier ab Ende Juni?

In einem Kuppelzelt wird auf einer vier Meter hohen und 13 Meter langen Leinwand in 270 Grad-Projektion ein einmaliges Filmerlebnis laufen. Und das ist keine Fantasie, sondern beruht alles auf historischen Fakten, auf Zeichnungen, die wir animiert und koloriert haben. Die Besucher werden also tatsächlich sehen, was die Gäste vor 300 Jahren hier im Zwinger auch gesehen haben.

 

Das Ganze ist dabei sozusagen nur ein erster Teil einer dreidimensionalen Zeitreise?

Genau. Ein Jahr lang wird das Kuppelzelt hier im Zwinger stehen. Ab Sommer 2020 wird dann in der Bogengalerie des Zwingers die ZwingerXperience entstehen. Fünf multimediale Welten, in denen die Besucher erleben, wie sich der Zwinger über die Jahrhunderte entwickelt hat. Geführt von August dem Starken und Pöppelmann können sich die Besucher mit VR-Brillen auf eine wirklich atemberaubende und sehr lebendige Reise begeben. Das wird dann ein Dauerprojekt.

Von Jens Fritzsche

 

Weitere Informationen erhalten Sie hier:  

Eintritt 3 Euro, Kinder bis 5 Jahre frei, freier Eintritt mit Schlösserlandkarte

www.dresden-Xperience.de

Der große Rausch der Sachsen

Warum die Sachsen so gerne feiern? Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät den Grund. Und natürlich spielt auch August der Starke eine nicht unbedeutende Rolle dabei.

Sachsen trinken und feiern gern. Die Dresdner treiben es besonders oft. Im Grunde das ganze Jahr: Opernball, Barocktage, Filmfest, Schlössernacht, Hutball, Jazztage, Palais-Sommer, Schaubudensommer, Musikfestspiele, Dixieland-Festival, Stadtteilfeste und dazu immer ein Feuerwerk. Die Organisatoren verweisen dabei mit Recht auf die Pflege fürstlicher Traditionen, sie knüpfen ganz nüchtern ihre Existenzberechtigung an die promillegeschwängerte Vergangenheit.

 

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Dazu gehört natürlich die Hochzeitsparty von 1719, die Kursachsen rund vier Millionen Taler gekostet haben soll. Höher, glänzender, spektakulärer hieß das Motto. Der Kurfürst stand im Mittelpunkt und berücksichtigte die Wechselwirkung zwischen plattem Amüsement und politischen Ambitionen. Außerdem zeichnete er damit den Nachkommen ein Bild von sich und seiner glanzvollen Welt. Jedes Ereignis bekam eine eigene dichterische und bildliche Darstellung. Geschichten wie aus dem Märchenland.

Die Wettiner begründeten schon im 16. Jahrhundert eine Feierkultur, die Vergnügen, Zeremoniell, Machtdarstellung, Essen und Trinken miteinander verband. Auch die Jagd gehörte dazu. Allein in der Regierungszeit von Johann Georg I. fanden ab 1611 knapp 1.000 Hirschjagden statt, im Jahr 1629 beispielsweise 117, also durchschnittlich jeden dritten Tag eine. Ein Fest zum Schießen. Jedem guten Schuss folgte dann auch ein guter Schluck. Nachdem im 30-jährigen Krieg die Feierei etwas abbrach, nahm danach Johann Georg II. die Kultur der kurfürstlichen Feste wieder auf. August der Starke baute die Festkultur barock aus und seine Kinder und Enkel führten sie mit Bravour fort. 1697 trat der Kurfürst beispielsweise beim Karneval als Alexander der Große auf, 1695 erschien er beim Faschings-Götteraufzug als Merkur.

AUGUST SKIZZIERTE HÖLZERNES AMPHITHEATER FÜR WAGENRENNEN

Als 1709 der König von Dänemark mit 116 Mann Gefolge nach Dresden kam, legte der sächsische Kurfürst persönlich die Platzierungen an der Tafel fest, gab Anweisungen zur Speisefolge, plante den Ablauf, skizzierte Kostüme, legte Regeln fürs Schießen und Gewinne fest, ließ ein hölzernes Amphitheater bauen, wo Wagenrennen stattfanden. Sieben Kronleuchter glänzten im großen Saal des Schlosses, ein Löwe, sieben Wildschweine, sechs Bären, ein Auer-, ein Büffelochse sowie zwei Pferde sollten gegeneinander kämpfen. Die Tiere kümmerten sich allerdings weder um den Kampfauftrag noch ums Publikum, das sich gelangweilt abwendete.

Der sächsische Adel pendelte von Fest zu Fest, von 365 Tagen verbrachten sie 50 bis 60 Tage im Feierrausch. Bis heute unvergessen bleibt das Zeithainer Lager von 1730. Eigentlich ein Manöver, um militärische Macht zu demonstrieren, wurde es eines der größten Trink- und Essspektakel der sächsischen Geschichte. Die Schau dauerte einen Monat, 30.000 Mann beteiligten sich daran. August zeigte sich drei Jahre vor seinem Tod letztmalig als fantasievoller Gastgeber, ließ für das Abschlussessen 800 Ochsen schlachten und von den sächsischen Bäckern einen Kuchen backen, der neun Meter lang, 2,40 Meter breit sowie 42 Zentimeter hoch reichte. Schlappe sechs Zentner wog das süße Ding. Jedes Jahr im Advent schieben deshalb bis heute Bäcker in einer Kutsche einen Riesenstollen auf den Striezelmarkt, um dann einzelne Stücke an die Weihnachtsmarktbesucher zu verteilen. Alles Tradition.

Ganz offensichtlich fuhren die Wettiner mit ihrer Festkultur ganz gut, denn während andere Adelsgeschlechter schnell ihre Macht verloren, regierten sie 998 Jahre ihr Reich. Das Vergnügen gehörte zum Machterhalt und richtete ziemlich lange keinen Schaden an. Erst im 19. Jahrhundert beendeten neue Kriege und Anfang des 20. Jahrhunderts bürgerliche Revolten die Adelsgelage. Das Feiern allerdings ließen sich die Sachsen nie verbieten. Sie erfanden zu jeder Zeit neue Feste und neue Möglichkeiten des Ausschanks.

Von Peter Ufer